Die drehende Pyramide
Bei der heutigen Verbreitung der Weihnachtspyramide könnte man leicht zu der Annahme kommen, daß diese im Erzgebirge entstand. Aber das ist nur zum Teil richtig. Vorläufer und verwandte Formen der Pyramide sind uns seit dem 16.Jahrhundert aus verschiedenen deutschen Gegenden bekannt. Dennoch schufen die Erzgebirger mit der Drehpyramide eine Sonderform, die bis heute als typisch erzgebirgisch eine weite Verbreitung gefunden hat.
Verallgemeinert vereinigen sich in der Drehpyramide drei Bestandteile. Zum ersten sind es Gestelle mit pyramidenförmiger Lichteranordnung, die im Brauchtumsbereich zum Beispiel als Vorläufer des Weihnachtsbaumes sehr beliebt waren. Die im Erzgebirge gepflegten technisch-mechanischen Basteleien, bilden die zweite Komponente. Entscheidend sollte jedoch die Verbindung aller pyramidaler Vorformen mit dem durch Warmluft angetriebenen Flügelrad und die Nutzung der aufsteigenden Warmluft sein. Das Erzgebirgsmuseum Annaberg-Buchholz bewahrt noch heute die älteste erhaltene Drehleuchterpyramide des Erzgebirges aus dem Jahre 1810 auf. Mit dem schon genannten Auftreten der Schnitz- und Krippenvereine gegen Ende des 19.Jahrhunderts verbreitete sich der Pyramidenbau rasant.
Innerhalb der Grundformen Stufen-, Stab-, Göpel-, Ständer-, Turm- und Hängepyramiden, gab es Möglichkeiten für ungezählte Gestaltungsvarianten. Durch die Entwicklung der Laubsäge zum wichtigsten Pyramidenbauwerkzeug haben die meisten Pyramidenbastler zu heimischen Motiven sowie zur klaren und übersichtlichen erzgebirgischen Pyramidenform zurückgefunden. Schließlich sei noch auf die, auch in den letzten Jahren gepflegte Tradition des Aufstellens von Ortspyramiden zur Weihnachtszeit hingewiesen. Bis heute sind rund 160 solcher Ortspyramiden bekannt.
