Der erzgebirgische Schwibbogen

Schwibbogen im ErzgebirgeAuch im Schwibbogen vereint sich altes bergmännisches Gedankengut und die Sehnsucht des Bergmanns nach Licht.

Der Name Schwibbogen, von Schwebebogen, entstammt der Architektur. Dort bezeichnet er einen gemauerten Bogen. Im Bergbau findet man ihn bei Stollnausmauerungen , wo er von außen bei vielen Stollnmundlöchern zu sehen ist. Ursprungsort des Schwibbogens ist Johanngeorgenstadt im Erzgebirge. Die ersten, heute noch vorhandenen Schwibbogen entstanden dort im letzten Drittel des 18.Jahrhunderts. Die ersten Schwibbogen fertigte man aus Schmiedeeisen und geschmiedetem Schwarzblech. Sie tragen sieben bis elf Kerzen. Die anfänglichen Motive waren der Sündenfall Adam und Eva. Später setzten sich bergmännische und volkskünstlerische Motive durch. Mit dem Wirken der Krippen- und Schnitzvereine gegen Ende des 19.Jahrhunderts erweiterte der Schwibbogen seine Funktion und fand Eingang in die familiären Weihnachtstuben.

Die Geburtsstunde des neueren Schwibbogens schlug 1937 mit der Schaffung des 6,50m langen und 3,20m hohen Ortsschwibbogens von Johanngeorgenstadt. Er vereint in sich in überzeugender Weise Bergbautraditionen und erzgebirgische Volkskunst. Zwei Bergleute halten über einer stilisierten Truhe mit Schlägel und Eisen ein Wappenschild mit den Kurschwertern. Daneben sitzen Klöpplerin und Schnitzer, über denen Leuchterspinne und Lichterengel schweben. Das Räuchermännchen in der rechten Ecke komplettiert die dargestellten Brauchtumsgegenstände. Zu Füßen der Klöpplerin versinnbildlicht eine Blume den fruchtbaren Boden der hiesigen Volkskunst. Und schließlich weist eine Wunderblume in der linken Ecke auf die reiche erzgebirgische Sagenwelt und das Hufeisen auf den Bergschmied hin.

Seit Mitte unseres Jahrhunderts scheint der Siegeszug des Schwibbogens unaufhaltsam. In schöpferischer Ideenvielfalt werden ständig neue ortspezifische Motive erschlossen. Es hat den Anschein, als seien den verschiedensten Ausführungen (besonders Laubsägearbeiten) und Größen keine Grenzen gesetzt. Neben den großen, öffentlich aufgestellten Schwibbogen erreichen vor allem die Lichterbögen in den Häuserfenstern eine Ausstrahlungskraft, die weit über die Grenzen des sächsischen Erzgebirges hinausgeht.